Regulierung nennt es die indische Regierung, Zensur ist das treffendere Wort, welches beschreibt, was die führende Partei im Umgang mit Streaminganbietern wie Amazon Prime Video und Netflix vorhat. Inhalte, die in irgendeiner Weise ungeeignet oder einfach politisch nicht akzeptabel sind, wird die führende Partei Bharatiya Janata einfach zensieren, blockieren, nicht anbieten. Dies ist ein ziemlich hartes Durchgreifen, welches mit Regulierung nicht viel zu tun hat, sondern eindeutig Medienzensur ist. Die Regulierung von Inhalten, vor allem bei Netflix, ist in Indien aber nichts Neues Bisher war dafür das Technologieministerium zuständig, wohl einfach nur auf Grundlage der technologischen Form der Inhaltsverteilung. Durch die Übertragung dieser Regulierungsaufsicht an das Informations- und Rundfunkministerium werden Streamingdienste nun mit Fernsehsendern des Landes Indien gleichgestellt. Dadurch sind die Befugnisse weitreichender und kontroverse Themen wie Geschlechtergleichstellung, das Kastensystem, religiöse Verfolgung und sexuelle Gewalt dürften noch schneller „reguliert“ werden. Im Zuge des neuen Vorstoßes der indischen Regierungspartei haben nun acht große Streaminganbieter einen eigenen Selbstregulierungskodex unterzeichnet, um dem Eingreifen der Partei und des Ministeriums vorzugreifen. Welche Auswirkungen die verschärfte Zensur nun auf die Angebote haben wird, bleibt abzuwarten. Immerhin haben die Streamingdienste in den letzten Jahren auch in Indien stark investiert. Amazon Prime Video hat zum Beispiel 10 Millionen Abonnenten in Indien, Netflix schaut auf 2,3 Millionen Kunden.